Jetzt, ein Jahr nach der Finanzkrise, wagt ein Vater mit seiner Tochter den inzwischen vierten Versuch – dreimal ging hier schon ein Café bankrott – dem mit Gastronomie bereits überreich gesegneten Städtchen Sulzburg ein Stadtcafé anzubieten. Es liegt an diesem kalten Oktobertag an diesem Platz:
Bereits zehn nach Acht sitzen einige Herren dort bei der Zeitung. Einer hat die Süddeutsche ausgebreitet, deren Lektüre aufgrund des Umfangs jenen vorbehalten bleibt, die Erben und Rentiers sind.
Sie bietet täglich mehr Inhalte als Stern und Spiegel zusammen wöchentlich, allerdings leider nie investigative. Eben aus investigativen Gründen lese ich gerne die Badische Zeitung, da diese keine Zensurabteilung hat.
Heute verzaubert sie mit einer Nachricht aus dem schwarzgrünen Solarstädtchen Freiburg. Dort wird ein interessantes Problem diskutiert, das ich in dieser Form so noch nie gehört habe, nämlich die Frage der Verhütung für ALG-II-EmpfängerInnen. Offensichtlich besteht in der schwarzgrünen Rentnermajorität die Sorge, die Damen könnten zu schlecht verhüten, was wiederum zu teuren Abtreibungen führen würde, die den Staat am Ende daran hinderten, seine Hauptaufgabe, nämlich die Versorgung seiner Pensionäre auszuüben.
Zum Glück ist Freiburg aber auch eine christliche Stadt, deren christlich-demokratischer Stadtrat Martin Kotterer die rettende Idee hat (siehe Bild oben): Wenn die Stadt Freiburg den ALG-II-EmpfängerInnen die Verhütung bezahlen würde, könnten so pro verhindertem Kind sagenhafte 80 Euro Wohngeld eingespart werden. Dies sei (Zitat) eine “harte, betriebswirtschaftliche Rechnung”, so der fürsorgliche Stadtvater Kotterer. Begeisterter O-Ton Badische Zeitung: “Das Geld für die Verhütung hätte sich schnell amortisiert”.
Solche Perlen fehlen mir in der SZ. Dementsprechend gut unterhalten sitze ich auch am Frühstückstisch:
Zu Kotters scheinbar genialer Einsparidee möchte ich aber anmerken, dass erstens Zwangsverhütung bei erwachsenen Frauen bereits bei christdemokratischen Politikerinnen, etwa bei Frau von der Leyen gescheitert ist, also in der Zielgruppe nicht den erwünschten Erfolg haben könnte. Zweitens leiden die deutschen Steuerkassen bekanntlich nicht unter zu vielen Kindern, für die Wohngeld entrichtet werden müßte, sondern unter der Tatsache, dass die Bundesrepublik Deutschland mit 1,2 eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt hat, was das Schneeballsystem christlich-grüner Pensionäre zumindest langfristig gefährdet. Da bei einer Arbeitslosenquote von etwa 7% im Musterländle doch faktisch 93% arbeiten und Steuern zahlen, würden also auch neun von zehn aus der Brut der ALG-II-Empfängerinnen zu Sklavendiensten für die schwarzgrüne Stadtverwaltung, etwa für 400-Euro-Jobs in der Altenpflege, herangezogen werden können. Dies bringt mehr Einnahmen und billigen Komfort, als mit dem Wohngeld verlorengeht.
Also, liebe christliche Stadtväter, rechnen Sie doch bitte das Ganze nochmal durch!








