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25. Okt. 2009

Die unerträglich sperrig komponierte und grauenhaft schlecht librettierte Oper Salome des Modernisten Richard Strauss gilt der Badischen Zeitung zu Unrecht als Opernschocker. Ich ging einfach nur spazieren und hatte am Abend des 24. Oktobers flugs eine Karte auf Platz 21 in der Reihe 1 in der Hand – direkt am Orchestergraben, wo mein Blick zum Glück nicht auf die schäbige Baumarkt-Dekoration der Bühne, sondern auf die Harfinistin fiel. Das Freiburger Theater ist durchaus beeindruckend:

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Das Motto des Freiburger Stadttheaters, das man in Grossbuchstaben auf dem Festgebäude entziffern kann, lautet We cannot not change the world. Das klingt nach Weltrettern wie Al Gore, den Dalai oder Bill Gates. Allerdings bestand die Gefahr der vergessenen Weltrettung bei der ausverkauften Aufführung nicht: Ehrwürdige Professorenpaare fachsimpelten über Strauss, elegante, schlanke Musen mit blassen Gesichtern blickten bedeutungsvoll zu Jünglingen, unter denen einer wirklich in jeder Hinsicht herausragte. Dieser:

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Sein braunes Samtgewand endete in braunen Wildlederschuhen. Er war der Maestro dieses Abends. Und doch auch ein eher schüchterner Jüngling, der sich mir rührend als französischer Klavierschüler offenbarte, der mit seinem Strassbourger Musikgymnasium den furchtbaren Strauss bildungshalber ertragen musste. Ich gab meiner Hoffnung Ausdruck, er spiele auch Jazz, was er zum Glück auch bejahte.

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Er erinnerte mich daran, wie ich selbst im gleichen Alter so auftrat: als Prinz, dem die Welt gehört. Ich ließ mich von ihm verzaubern und nahm ihn als Beweis dafür, dass Freiburg doch sehr mondän sein kann. Um diesen Frieden nicht zu stören, harrte ich tapfer auf meinem Platz aus und gab auch fleißig zwei Vorhänge. Ich spürte: Den Freiburgern bedeutete dieser Abend etwas. Nicht wegen Strauss, sondern wegen ihnen selbst. Es war ihr mondänes Theater. Und ich werde es ihnen lassen.
Später auf der Strasse dann, es hatte noch an die 20 Grad, beobachtete ich, wie die Studenten alle Schnapsflaschen auf den Tischen stehen hatten; eine Sitte, die ich noch nie gesehen hatte. Friedlich ließen sie sich zulaufen, um dann nächste Woche wieder brav BWL, Jus und Pädagogik zu studieren.

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Ich hatte Freiburg unterschätzt,

20. Okt. 2009

Jetzt, ein Jahr nach der Finanzkrise, wagt ein Vater mit seiner Tochter den inzwischen vierten Versuch – dreimal ging hier schon ein Café bankrott – dem mit Gastronomie bereits überreich gesegneten Städtchen Sulzburg ein Stadtcafé anzubieten. Es liegt an diesem kalten Oktobertag an diesem Platz:

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Bereits zehn nach Acht sitzen einige Herren dort bei der Zeitung. Einer hat die Süddeutsche ausgebreitet, deren Lektüre aufgrund des Umfangs jenen vorbehalten bleibt, die Erben und Rentiers sind.
Sie bietet täglich mehr Inhalte als Stern und Spiegel zusammen wöchentlich, allerdings leider nie investigative. Eben aus investigativen Gründen lese ich gerne die Badische Zeitung, da diese keine Zensurabteilung hat.

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Heute verzaubert sie mit einer Nachricht aus dem schwarzgrünen Solarstädtchen Freiburg. Dort wird ein interessantes Problem diskutiert, das ich in dieser Form so noch nie gehört habe, nämlich die Frage der Verhütung für ALG-II-EmpfängerInnen. Offensichtlich besteht in der schwarzgrünen Rentnermajorität die Sorge, die Damen könnten zu schlecht verhüten, was wiederum zu teuren Abtreibungen führen würde, die den Staat am Ende daran hinderten, seine Hauptaufgabe, nämlich die Versorgung seiner Pensionäre auszuüben.

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Zum Glück ist Freiburg aber auch eine christliche Stadt, deren christlich-demokratischer Stadtrat Martin Kotterer die rettende Idee hat (siehe Bild oben): Wenn die Stadt Freiburg den ALG-II-EmpfängerInnen die Verhütung bezahlen würde, könnten so pro verhindertem Kind sagenhafte 80 Euro Wohngeld eingespart werden. Dies sei (Zitat) eine “harte, betriebswirtschaftliche Rechnung”, so der fürsorgliche Stadtvater Kotterer. Begeisterter O-Ton Badische Zeitung: “Das Geld für die Verhütung hätte sich schnell amortisiert”.
Solche Perlen fehlen mir in der SZ. Dementsprechend gut unterhalten sitze ich auch am Frühstückstisch:

 

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Zu Kotters scheinbar genialer Einsparidee möchte ich aber anmerken, dass erstens Zwangsverhütung bei erwachsenen Frauen bereits bei christdemokratischen Politikerinnen, etwa bei Frau von der Leyen gescheitert ist, also in der Zielgruppe nicht den erwünschten Erfolg haben könnte. Zweitens leiden die deutschen Steuerkassen bekanntlich nicht unter zu vielen Kindern, für die Wohngeld entrichtet werden müßte, sondern unter der Tatsache, dass die Bundesrepublik Deutschland mit 1,2 eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt hat, was das Schneeballsystem christlich-grüner Pensionäre zumindest langfristig gefährdet. Da bei einer Arbeitslosenquote von etwa 7% im Musterländle doch faktisch 93% arbeiten und Steuern zahlen, würden also auch neun von zehn aus der Brut der ALG-II-Empfängerinnen zu Sklavendiensten für die schwarzgrüne Stadtverwaltung, etwa für 400-Euro-Jobs in der Altenpflege, herangezogen werden können. Dies bringt mehr Einnahmen und billigen Komfort, als mit dem Wohngeld verlorengeht.
Also, liebe christliche  Stadtväter, rechnen Sie doch bitte das Ganze nochmal durch!

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