Die echte Landgaststätte war nicht erst jetzt, sondern schon immer eine Rarität. Einst drohten Toast Hawaii und Wiener Würstchen. Heute besteht die Gefahr von Zanderfilet und Mozarellasalat.

Was die echte Landgaststätte bereithält, ist echtes, lokales Bier. In diesem Fall das legendäre Waldhaus vom Fass, das bereits aus der Flasche viele Biere übertrifft, so hopfig-herb und dennoch vollmundig kommt es daher.

Der Wirt und sein Stammgast bevorzugen Orangensaft und einen ortsansässigen Gutedel und sind neugierig auf ihren, heute leider einzigen Gast.

Dieser betätigt sich als Bier-Dalai, versinkt im Angesicht der festen Crema in Trance…

…und wie so eine Trance verläuft, überkommt ihn der Appetit. Zum Glück gibt es das Ur-Gericht der Landgaststätte: eine Schlachteplatte mit Kartoffelmus und Sauerkraut. Beinfleisch. Blutwurst. Leberwurst.
(Vegetarier hier bitte weglesen) Diese Dinge sind mit Bier so verbunden wie Wein mit Brot und Käse: Bier macht hungrig auf Schlachteplatte, Schlachteplatte macht durstig auf Bier. Und hier ist sie:
Das Beinfleisch ist zart und wird mit der Meerrettichsauce gereicht. Damit ist alles gesagt.

heute ist ja Samhain, da haben die Kelten Schweine geschlachtet und dann vermutlich Ähnliches wie Sie verzehrt.
Hierzulande gehört Beinfleisch (das wird in Wien mit Kartoffeln, Suppengemüse und frisch gerissenem Kren serviert) nicht zur Schlachtplatte. Ganz kroß/knusprig gebratene Blutwurst mit Kartoffelröster und Sauerkraut aß ich früher auch gern. Noch ein gutes Wintergericht zu dem Bier hervorragend paßt ist Szegediner Gulyas. Das Wirtshaus ist hier auch im Aussterben, zwar wird in ein, zwei Innenstadtlokalen die Innereien-Küche (Bries, Nierndl, Bruckfleisch, Kutteln) wiederentdeckt, aber insgesamt wuchern “Schnitzelhaus” und Pizzeria. Vorige Woche aber traf ich hier im grauslichen Bezirk einen Wirtn der vor seinem alten (Schank noch original)
Wirtshaus 4 Rosenstöcke um einen Baum neben seinem Gastgartl pflanzte, hab ihm gleich dafür gedankt und ihm empfohlen sein Lokal von den Presse-Schaufenster-Leuten fotografieren zu lassen, was er aber eher brummig aufnahm, naja
31. Okt. 2009 | #