Können fremde Menschen erkennen, dass sie einander ähnlich sind? Ist ihnen das nicht peinlich, wenn der Ähnliche einer anderen Schicht oder Rasse anzugehören scheint? Heikle Fragen. Zunächst ist zu klären, ob tatsächlich eine Ähnlichkeit vorhanden ist. Dazu bietet sich ein Profilphoto des Sitznachbarn an:
Nun gilt es, durch ein weiteres Profilfoto Klarheit zu schaffen und die Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht vergessen zu machen:
und zur Endprüfung eine Gegenüberstellung:
Nun müssen Dritte, etwa andere Fahrgäste zur Ähnlichkeitsbegutachtung herangezogen werden und Prädikate wie Vater-Tochter oder Bruder-Schwester vergeben. Meine Ähnlichkeitsnachbarin und auch ihr Vater stammen aus dem etwas unpräzise als Stuttgart-Süd bezeichneten Gebiet, während ich großmütterlicherseits, von wo eben dieses Profil nachweislich stammt, aus Crailsheim herrühre, was dann doch nicht unerreichbar fern ist, zumal meine Großmutter dort 1899 geboren wurde, so dass dies weit vor einer Verzweigung nach Stuttgart-Süd hätte eine verwandschaftliche Beziehung sein können. So aber bleibt es eine Wahlverwandtschaft.





in (oft etwas abgeschlossnen) Gegenden wo über lange Zeit hinweg endogam gelebt wird bilden sich stabile Phänotypen heraus, wenn mir so jemand auffällt (nein, ich nenne kein Aussehen und keine Landschaft) frage ich solche Leute auch – obwohl es nicht immer gut ankommt und ich manchmal dafür von anderen gescholten werde – immer woher sie oder ihre Familie kommen.
Selber ist man aber eher verwundert wenn Leute sagen, sie hätten jemanden gesehen der einem so verblüffend ähnlich sieht.
Eher eine Anhängerin der Adoption als der Wunschkinder-um-jeden-Preis-Manufaktur verstand ich erst den Zauber der Vererbung/Reduplikation als sich ein (noch dazu unehelicher, mir bis dahin unbekannter) Sohn eines Onkels (Familienchef) bei mir meldete und als wir uns trafen, sah er ganz genauso aus wie der verstorbene Onkel (und in verständlicher Überidentifikation kleidete er sich auch so wie der Onkel und schalt mich empört, als ich ihm den recht autoritären Onkel ein wenig relativieren und ihm so den Verlust eines offiziellen Vaters etwas zu erleichtern suchte..)
17. Okt. 2009 | #