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24. Nov. 2009

Einst wurde ein Professor aus Bologna dadurch bekannt, dass er Zeichen interpretierte. Die Semiotik blieb bis heute eine Eingeweihtenreligion, die aber in den Kommunikationswissenschaften noch immer Pflichtlektüre ist. Bis heute inspiriert sie Studenten und Werber zur Platzierung von ihrer Ansicht nach sinnigen Slogans in kontrastreichem Environment:

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Mit der Aufforderung “Denk Mal!” wird eine Zielgruppe angesprochen, die es so nie gab und auch nie geben kann: Jene, die sich selbst für unaufgeklärt und denkbedürftig halten. Der alte Brunnen auf dem Basler Leonhardsberg hat sicher schon Tausende Freigeister gesehen, die – wie ich – aus den totalitären Nachbarstaaten in die Eidgenossenschaft exiliert sind. Diese dürfen nun lesen EDUCATION IS NOT FOR SALE. Nicht? Wovon sollen wir intellektuellen Exilanten dann in der Schweiz leben? Immerhin zeugt die Graffity unterhalb des Leonhardsberges von umfassender und gutverkaufter Bildung:

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Viele Menschen sehen – eben wegen den semiotischen Verzögerungen in Zeichenverstehensprozessen – in Basel noch aus, als lebten sie in den 70er Jahren. Vermutlich wissen sie nicht, was es heißt, ein solches Foto spontan machen zu dürfen: Der Herr wirkt, als stünde er auf der Abbey Road. The Dark Side of The Moon (siehe das Bild hinter dem Kopf des Spaziergängers) von Pink Floyd erschien 1973. Ein Album, das noch heute bei Amazon auf Platz 1.345 steht.
Beide Aktionen, der Brunnenspruch und die Graffity, sind durch den Glauben verbunden, trotz Fernsehen und Internet könnten Botschaften im Außenbereich noch wirken. Ich habe einst ein Wage zu denken am 3. Oktober 1990 über die Leipziger Strasse in Berlin gehängt, was 15.000 Mark kostete. Der FAZ-Spaziergänger schrieb dann in seinem Bericht zur kulturellen Einheitsbetrachtung, beide Deutschlands benötigten keine Mahnungen von Philosophenkönigen.
Deshalb kann ich heute entspannt auf die Aktionskunst im Außenraum blicken und mich freuen, dass trotz der Aufforderung, Bildung nur zu verschenken, diese noch ein attraktives Handelsgut ist, wenn auch nicht mehr so wertvoll wie 1973.

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4 Kommentare »

  1. Foersterliesel schreibt:

    woran hätte man denn noch zu denken wagen sollen im Oktober 1990? —

    Bildung hat sich doch total kapitalisiert, all diese neuentstandenen Fachhochschulen und Privatunis, mit Vortragenden unausgewiesener Qualifikation und hohen Studiengebühren bei vagen Jobversprechen…. die staatlichen (alten) Unis haben noch das beste Lehrpersonal und die niedrigsten Gebühren, allerdings Kapazitätsprobleme

    28. Nov. 2009 | #

  2. alexanderdill schreibt:

    Das “Wage zu denken” kam von Kant’s Sapere Aude. Weder ich, noch Patrick Bahners von der FAZ, der damals sein Wiedervereinigungs-Feuilleton schrieb, hatten irgendeine Idee, ob. wie und was gedacht werden sollte. Oder warum. Die Kohl-Ära 1982-1998 wird als denklose Zeit in positiver Erinnerung bleiben – wie auch die Wiedervereinigung.
    Mein Sohn, Försterliesel, studiert seit einem Monat bei Ihnen in Wien Streik-, äh Medienwissenschaften.

    29. Nov. 2009 | #

  3. Foersterliesel schreibt:

    ein Streik ist eine sozialpsychologische Erfahrung fürs Leben, Ihr Sohn hat Glück!
    Ob die Medienwissenschaften eine glückliche Wahl sind, wage ich nicht zu beurteilen.

    29. Nov. 2009 | #

  4. Foersterliesel schreibt:

    sehen Sie nur:
    http://www.kurier.at/nachrichten/1963027.php

    15. Dez. 2009 | #

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