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28. Sep. 2009

Für Romanik bedarf es doch einiger Zutaten: die römische, zumindest die italienische Sprache, romanische Architektur, gar noch ergänzt um einen italienischen Campanile. Tatsächlich hinterließ ein italienischer Besucher diese Botschaft:

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Liberami a tutti i mei PecattiHerr, befreie mich von all meinen Sünden steht mit Datum vom 26.9.2009 im Kirchenbuch von St. Nikolas in Bad Reichenhall.  Diese Bitte ist selten geworden. Die meisten Bitten gelten der Gesundheit und Fortuna, der Glücksgöttin. Doch diese Italienisch vorgetragene Bitte ergibt ihren Sinn im Zusammenhang mit dem Ort, an dem sie verfasst wurde:

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Eine beeindruckende Kirche. Die nächste Basilika dieser Art steht 300km weiter südlich in Aquilea.

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St. Nikolaus besitzt auch den in Italien so beliebten Turm im lombardischen Stil. Sie liegt abgeschnitten von der Stadt an der B 20 und ist fast immer leer – im Gegensatz zum Beispiel zu der kleinen Insider-Kirche von St. Maria Loreto im benachbarten Salzburg, wo täglich von 6.15 Uhr morgens bis 20 Uhr abends gebetet wird.

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Am späten Vormittag fällt das Licht besonders heilig ein. Doch welche Menschen sehen das noch? Welche Menschen sind noch bereit, Sünden zu haben? Kirche ganz ohne Religion, ohne Maria, Christus und Heiligen Geist, ist doch schwer zu haben. Welche Sünden wird der italienische Besucher wohl gemeint haben?
Eine Frage, der man sich einige Minuten widmen kann, bevor man wieder in die normale Welt hinaustritt, in der es keine Sünden, keinen Christus und keinen derartigen Raumreichtum zur Beherbung von Leere gibt.

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4 Kommentare »

  1. DirkE schreibt:

    Lieber Alexander Dill,

    ist nicht vielmehr die Frage, wo sich denn heute die normale Welt befindet? Ist es wirklich der Raum, an den ich immer anstoße, oder der vielmehr an mich selbst anstößt? Ist nicht auch eine Frage wo drinnen und wo draußen ist, oder vielmehr wo Innenwelt und Außenwelt sind?
    Gehen wir nicht vielleicht deshalb so gerne in die großen alten Kirchen, weil wir im Innern ein wenig spüren, dass diese Räume der Größe und Weite jetzt in uns selbst sind und wir nur die Türe nicht finden?

    29. Sep. 2009 | #

  2. Foersterliesel schreibt:

    so reine Neoromanik ist wirklich selten; leider sind ja seit Jahren alle Kirchen verschlossen (wegen der Kunsträuber) und man kann nicht mehr wie früher allein in einer stillen Kirche sitzen

    29. Sep. 2009 | #

  3. Christian Enziansberger schreibt:

    Das Verb bedürfen regierte früher den Genitiv. CE

    30. Sep. 2009 | #

  4. alexanderdill schreibt:

    @DirkE: Ich wünschte, ich fände in mir so viel Größe und Weite wie in den Kirchen. Ich würde mich dann weniger ängstigen.

    30. Sep. 2009 | #

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