Weinberge sind hier noch Weinberge. Zu ihren Füssen leben noch immer die Winzer.
Darf ich dabei bemerken, dass ich ein Morgenmensch bin? Es ist 9 Uhr bei Sulzburg
im Markgräfler Land.

Ich schätzte sie auf achtzig. Natürlich war sie als Neunundachtzigjährige geschmeichelt. Ihr Mann, ein Bauer und Winzer, war vor zwei Jahren gestorben. Sie hatten in 57 Jahren Ehe keine Kinder. Als sie 35 war, so sagte ihr damals der Arzt, kam sie bereits in die Wechseljahre. Ihr Mann hatte sich nicht gut gefühlt und hingelegt. Der Arzt kam gleich. Er war schon tot. Nun hat sie ihren Weinberg auf Leibrente verpachtet und wird ihn dem Pächter auch vererben.

Sie ist spezialisiert auf Rote Beete. Der Salat will nicht so recht bei der Hitze. Auch grüne Bohnen mit Erdäpfeln kocht sie. Die Tomaten sind trotz 4 Wochen Hitze grün. Das Unkraut rupft sie nicht mehr. Ihr reicht, was der Garten ihr übrigläßt.

“Ich freu’ mich, wenn ich ‘mal mit jemandem ratschen kann. Bin ja ganz allein.”, sagt sie. Ich möchte ihr mit meiner Handykamera nicht zu nahe kommen. Als ich weiterradle, gießt sie noch immer das Gemüse.
Seit Jahren der Anthroposophie entfremdet, habe ich das Gefühl durch Ihre Artikel wieder einen Zugang zur Welt von Rudolf Steiner gefunden. Warum will niemand verstehen, dass Behinderte, Grippeviren und Winzerwitwen in einem gemeinsamen Kosmos leben, der von der geistigen Welt ernährt wird.
Danke und weiter so!
Ihr C.E.
25. Aug. 2009 | #