Die Zürcher Hippness besteht wesentlich aus kosmopolitischen Zitaten, die sozusagen eine Art Welt-Freizeitpark der Szenen bilden. Das sieht dann zum Beispiel so aus:
Die Zürcher, ureinst der konservativen Provinzialität verdächtigt, haben ihren Ehrgeiz darin gesetzt, großstädtische Biotope zu imitieren, in der Hoffnung, diese würden auch die dazugehörigen Sozialbewegungen Straßenprostitution, Drogenhandel und Bandenbildung befördern. Während in New York eigentlich überhaupt alles verboten ist incl. Rauchen, gilt Zürich nun als eine Art Naturschutzgebiet für veraltete Devianzen. Tatsächlich trifft man hier noch auf Junkies und Transvestiten, auf blasse Kettenraucher und ungarische Bordsteinschwalben, von denen München, New York und London längst gesäubert sind. Allerdings sieht es rund um die Schiffbaustrasse aber eher so aus wie in der Restaurant-Bar LaSalle , benannt nach dem Begründer der deutschen Sozialdemokratie, die bis 1998 lebte, also über 100 Jahre alt wurde:
Das Zür’sche Zitatemoment dieser Szene sieht man nicht auf den ersten Blick. Es ist das gemischte Paar, das so hipp ist. Natürlich hat die Hippness dort, wo sie in die Niederungen des Massenkonsumes gerät, auch eine Kehrseite, die wir hier fotografieren durften:
Mitten im Szene-Viertel befindet sich auch der Schwyzer Think-Tank Avenir Suisse, der mich nach Zürich geführt hat. Man beachte, wie hipp der Kollege von Avenir Suisse, ebenfalls promovierter Ökonom, im Gegensatz zum Autor erscheint:
“Sinnlos”, schreibt Epikur, “ist es von den Göttern zu erbitten, was der Mensch sich zu verschaffen selbst im Stande ist.” Es ist deshalb vernünftig, die Zür’sche Hippness nicht zu imitieren. Dies sehen auch die 250.000 Pendler so, die täglich in das Reservat kommen und bereits um 17.55 Uhr derart ermüdet sind, dass sie nicht nur aus Kostengründen dem Zürcher Nightlife fernbleiben:
Soweit fürs Erste aus Züri. Fortsetzung folgt, falls die Zürcher diese bezahlen.






Zürichs (geistige) Quartiere hinterm Bahnhof gut charakterisiert,
Avenir scheint wohldotiert, wir halten die Daumen!
10. Okt. 2009 | #