Unterwegs war in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts eine sich entwickelnde, neue Lebensform. Zu ihr gehörte der Road-Movie, allen voran Easy Rider und Außer Atem von Jean Luc Godard. Das Genre wurde immer wieder aufgenommen, etwa in Harold and Maude und Duell von Steven Spielberg.
ICE-Roadmovies gibt es nicht, obwohl viele Menschen im ICE nicht nur arbeiten und pendeln, sondern leben. Die Atmosphäre im ICE ist oft besonders unaggressiv. Heute brachte mir die Bistrobetreuerin ein Vittel und bedauerte vor versammeltem Publikum, die von ihr angebotene Erfüllung weitergehender Wünsche nur eingeschränkt vornehmen zu können, obwohl sie dies eigentlich vorhabe. Das Publikum quittierte diesen entspannten Auftritt mit herzlichem Lächeln. Wir wissen: Wir sitzen im ICE alle in einem Boot. Wir müssen unterwegs sein. Es ist unser Schicksal und wir versuchen, das Beste daraus zu machen.
Ein stillschweigendes, solidarisches Einverständnis verbindet die Profi-ICE-Pendler mit dem Zugpersonal und den Novizen, die von einem Flughafen oder zu einem Flughafen fahren. Die landschaftlichen Perspektiven in der Abenddämmerung um 18 Uhr erzeugen allgemeines Schweigen:
Der Blick auf die fernen Hügelketten fesselt und, lässt uns vergessen, dass wir von der Arbeit, in der Arbeit, zu der Arbeit fahren. Für Momente werden wir kleine Kerouacs.
Das Schöne ist: Wir werden nie wissen, warum wir wo unterwegs sind.




schöne bilder!
13. Okt. 2009 | #