“Der Marktwert”, sagt der Kleinstadtgalerist, “interessiert mich überhaupt nicht.” Das ist glaubwürdig, aber für die ausstellenden Künstler nicht so günstig.
Die Kleinstadtgalerie ist eine Institution. Immer verkannt. Unterschätzt. Kontinuierlich bemüht. Avantgarde. Innovation. Tradition.
Die Vernissage ist zwischen 18 und 19 Uhr angesetzt. Die Galerie liegt in der Fußgängerzone, wenige Meter von der Kirche. Was die Vernissage in der Kleinstadt von der in der Großstadt unterscheidet? Es kommen keine jungen Künstler oder Musen auf der Suche nach Künstlern. Man befindet sich im fortgeschrittenen Alter – wie leider auch der Autor von sich selbst feststellen muss.
Es wird etwas Wein mit dem Etikett der Galerie angeboten. Die Menschen in der Gegend sind stolz auf ihren Wein. Es sollte besser nichts zum hiesigen Wein gesagt werden. Das könnte verletzend wirken.
Dies ist das teuerste Werk. Es kostet 6500 Euro. Schon als Kinder in den 60er Jahren mussten wir diese rostigen Eisenklötze bewundern, deren Statik, Leichtigkeit oder Schwere, Elementarität oder schlicht deren Unmittelbarkeit uns nahegelegt wurden. Es gibt sie immer noch – und mit ihnen die eigentlichen Künstler, die im Zivilberuf (wie der Galerist) Vermessungsingenieur, Lehrer oder verheiratet mit einer Lehrerin sind. Nun sitzen sie vor der Galerie…
Es ist beruhigend, ihnen zuzusehen. So Vieles in Deutschland ist vergangen und zerstört. Doch ausgerechnet die Kleinstadtkultur mit ihren Vernissagen, die VHS, der Gesangsverein, der längst Popsongs im Programm hat, die Freiwillige Feuerwehr, der Faschingsverein und der Kirchengemeinderat, diese Kultur ist geblieben. Wer möchte da mit Unworten wie Kunst und Markt Unruhe stiften? Der Galerist fragte mich ausdrücklich, wie ich die Ausstellung fand und ich beschloß, eisern zu schweigen, um nicht lügen zu müssen. Zu dieser Entscheidung stehe ich.
Eigentlich bin ich doch auch ein Teil davon, oder?





ich hätte gern so schönes Katzenkopfppflaster in meiner Straße, dafür würde ich sogar auf Galerien mit “Positionen” verzichten; die sorgfältig gewandeten Herren sind nett, ist der Wein wirklich so schlecht?
13. Sep. 2009 | #
Ich habe mir vorgenommen, nichts über Spätburgunder zu äußern. Aus gesundheitlichen Gründen. Außerdem gilt ja auch die Philosophie “Alles Geschmackssache”.
13. Sep. 2009 | #
naja, Spätburgunder ist in Mode gekommen, als ich heute im Supermarkt (weiter reicht mein Radius, seit der Gips herunter ist, noch nicht) einem hilfsbereiten Freund zum Dank einen Rioja Gran Riserva erstand, der hoffentlich gut ist, konnte ich das bemerken. Aber guter Wein amalgamiert ja immer mit der Situation in der man ihn getrunken hat und hoffentlich auch mit den Geistern der Region der er entstammt: der Frascati zu Schinken, Früchten und Oliven am Etruskergrab, der billige frische Beaujolais zu Röschti in der lieblichen Westschweiz, der cote du Rhone zu Chäschuechchli und tarte im Jura, der vin du pays der Straßenarbeiter zu Baguette und pate , südsteirischer Schilcher zu Backhendl, südtiroler Kalterer See zu Käse und frischen Nüssen, der erste barrique zu Wildgulasch, …. und alle schmecken sie nicht mehr so wie damals, denn damals ist vorbei für uns und für die Weine, und in den letzten Wintern tranken wir nur kalifornischen Zinfandel vom Aldi zu Käse und Brot, denn wir haben kein Auto um beim Winzer direkt einkaufen zu können, und stellten uns dazu Napa valley in der Mandelblüte vor…
in den 70ern staunte ich in Frankreich über Herrenrunden die ein Wochenende mit Verkosten und Erraten ohne zu trinken verbringen konnten und in den 80ern schmissen aussichtsreiche (denn der Vater war auch schon einer) Jungbanker den Job, nur um Sommelier zu werden, in den Mittachzigern bot die selige “Arbeiterzeitung” Weinseminare an und heute wird in jeder Spelunke nach cuvee verlangt…naja. Auch den in Wien früher üblichen Doppler (Doppel-Literflasche) zu WG-Festen, Atelierfesten und Vernissagen und in den in Wien häufigen Trinker-Haushalten gibts nicht mehr, auch nicht die Stehweinhalle am Eck, die den Banken und Drogeriemärkten wich. Nur noch die Mittelschicht trinkt Wein, betrinkt sich mit Wein, die Armen trinken hochprozentige buntgefärbte Mixturen.
15. Sep. 2009 | #
…aber hier gibts wunderbaren Vernaccia und richtigen Anthro-Schampus
http://www.lavialla.it
15. Sep. 2009 | #
Werte Förster-Liesl! Wie es das Schicksal will, habe ich zu Weihnachten das große Geschenkpaket von La Vialla incl. Video und Buch geschenkt bekommen. Der Vernaccia war in der Tat ausgezeichnet, wohingegen der Rotwein, die steinharten Cantuccini, der labbrige Prosecco, die saucenfressenden Pasta und müden Saucen eher im schwächeren Bereich angesiedelt waren. Das Aussterben des Dopplers bedaure ich sehr. Es war ja oft ein “gemischter Satz” aus Portugieser, Zweigelt und St. Laurent. In der Tat lassen sich Wein und Situation schwer trennen, was aber trotzdem nicht heißt, dass Wein nicht doch gut oder schlecht ist. Im Preis-Leistungs-Verhältnis sind zumindest toskanische Weine eine Katastrophe.
Mich würde interessieren, ob Sie auch das Video der La Vialla-Familie gesehen haben? Mir hat es geholfen zu verstehen, warum die Familie zu wenigen wirklich guten Produkten aufgrund ihres erfolgreichen Vertriebskonzeptes viele schlechte hinzugekauft hat. Aber, wie gesagt, der Vernaccia war ausgeueichnet und ich wünschte, ich hätte diesen Sommer in Siena einen solchen bekommen.
15. Sep. 2009 | #
den link zu La Vialla hab ich im dunklen Vorfrühling bei Janet entdeckt und war von der liebevoll gestalteten hp, ihrem Ton und dem Video über den biodyn.geimpften Misthaufen so begeistert daß ich einen Katalog bestellte; der kam bald und erwies sich als ebenso ästhetisch und besonders, dann kam noch einer, fast noch schöner, …das Bestellen allerdings ließ ich, da es mit der Zustellung in Wien leider immer sehr schlecht klappt, und Pakete mit Flaschen, oje. Aus schlechtem Gewissen übers Katalogebestellen und sonst nix hab ich den link weitergegeben und der vernaccia, ja den halte ich naiverweise für immer wunderbar. Es ist richtig, die italienischen Weine, die bei uns (als es noch Weinhändler hieß und nicht Vinothek) ja die ersten Importe waren sind arg überteuert, und das schon seit 30 Jahren. Cantuccini sind zum Eintunken gedacht und müssen so trocken und daher hart sein damit sie lange halten. Ein Katalog von La Vialla, mit dem Bild eines Mimosenbusches liegt noch da und das “pappa” aus Tomaten und Brot gekocht, duftet mir daraus entgegen, aber wie gesagt, die Paketzustellung in Wien …
15. Sep. 2009 | #
Mit verantwortlich dafür, dass der feinschmeckerische blogger überhaupt mit La Vialla in Berührung kam (keine Wiederholungsgefahr, Bleigaumen fliegen von der Liste), danke ich der Wiener Försterliesel für ihr Zurechtrückungsbestreben. La Vialla bedient die deutschen Vorlieben für den Süden, die Freude von Schenkern und die freudige Überraschung von Beschenkten.
Wahrscheinlich beurteilt der blogger auch eine Grußpostkarte vom Mittelmeer dadurch, dass er sie ableckt.
Solange La Vialle nicht als Ableger von ALDI Süd geoutet wird, bleibt es mein Favorit. Geniale Marktstrategie für fröstelnde, geschenk-, sonnen- und familienentwöhnte Südgrönländer.
17. Sep. 2009 | #
[...] Er ist selbstverständlich von Schmid selbst. Obwohl das Sprechen über Wein auch hier im Blog Gefahren birgt, darf doch festgestellt werden, dass auch im Markgräfler Land ein paar wirklich trockende und [...]
17. Sep. 2009 | #