Während in den Einkaufszentren und Fußgängerzonen die austauschbaren Großfilialisten – auch und gerade dm – aufgrund der hohen Mieten für ein weitgehend austauschbares Angebot sorgen, ist in der Vorstadt noch der kleine Gewerbetreibende, pardon, die kleine Friseurmeisterin erlaubt. Ihr Salon ist neben dem Kiosk und der Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt oft der einzige Platz, wo noch Sozialarbeit geleistet wird. Die feinere Dame genießt es, hier zuvorkommend bedient zu werden.
Hier kann sie noch drei VW’s als Fuhrpark bezeichnen; Teneriffa ist noch eine besondere Reisedestination. Wir fahren ja nur vor Weihnachten. Weihnachten ist es dort zu vulgär. Der kleine Junge hört die Erzählungen aus der großen weiten Welt und wendet sich dem Duo zu:

Ich beschließe, meine neue Disziplin Suburbocology zu nennen, also die Kunde vom Oikos der Vorstadt, dem sozusagen das Geheimnis der Zivilisation innewohnt, das uns Stadt und Land verbergen, indem sie es mit natürlichen und zivilisatorischen Attraktionen verstellen. Es gibt Bundesländer und Regionen, die nur noch aus Vorstadt bestehen, deren Bewohner und Verwalter dies aber hartnäckig leugnen und als Beweis den Tourismus anführen. Der Suburbocologist aber weiß, dass natürlich auch die Vorstadt Touristenland ist, weil er selbst ja als Tourist kommt und er dort auch auf andere Touristen trifft, etwa auf diesen:
Die Schwabinger und Oberländer werden über ihn nicht mehr lachen, wenn er einst Regierungspräsident des Bezirkes Oberbayern ist und die Hanns-Seidel-Medaille bekommt. Bis dahin aber sehen wir ihn nur beim Vorstadtfriseur. Ja, ich kann, sagt sein Lächeln – wer wollte dem widersprechen?
Und so schießt der Autor, der zu Tarnzwecken mit einem vierjährigen Kind auf suburbocology excursion ging, ein unscharfes, aber authentisches Abschiedsfoto:




der Himmelsknabe und klein Obama – wie schön, danke!
6. Nov. 2009 | #