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8. Nov. 2009

Nicht nur im Weinbau war die Flurbereinigung einst eine große Errungenschaft der kapitalistischen Planwirtschaft und bildete sozusagen mindestens ästhetisch das bundesdeutsche Pendant zur Kolchose. Im Laufe der Zeit verlor sich aber die Freude an den kargen Agrarsteppen. Und so treffe ich an einem Werktagmorgen zwei Bauarbeiter mit schwerem Gerät:

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Sie stellen oberhalb von Ballrechten-Dottingen im Markgräflerland am Güterweg des Weinberges wieder eine Trockensteinmauer her. Angeblich geschieht das für die Eidechse und irgendeinen Vogel, aber eigentlich geschieht es aus Sehnsucht, aus Nostalgia. Ich vermute, dass sie keine Bürgerinitiative sind, sondern Profis.

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Sie sind ein Jüngerer und ein Älterer. Meister und Lehrling. Tatsächlich soll Ballrechten-Dottingen dadurch zum Mekka des Rückbaues werden. Der 2. Süddeutsche Trockenmauerkongress soll gar in der kleinen Gemeinde am Rande des Schwarzwaldes stattfinden. Die investierten Beträge sind gegenüber den einstigen Exzessen der Flurbereinigung eher bescheiden. Auch die Zürcher Bristol-Stiftung gibt Geld. Doch es geht um einen Wendepunkt der deutschen Politik: Um den Abschied von Wachstum, Fortschritt und Rationalisierung – und damit um die längst fällige Rückwendung zum Schönen, Guten und Wahren.

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Bereits das Bild der Steinmaurer ist ein imposanter Anblick. Gewerke kommen wieder zur Geltung, die bereits ad acta gelegt wurden. Man darf wieder im eigenen Land spazieren, ohne das Gefühl zu bekommen, nur noch von einer Tiefgarage ins Outlet geschickt zu werden. Der Lebensraum wird so zurückerobert, durch winzige, aber sehr kostenintensive Abschnitte.
Noch bin ich morgens um 9 der einzige Beobachter dieses Wandels. Aber bald werden Arbeiter und Studenten, RTL-Gucker und Punks hier staunend flanieren, um anschließend die Besenwirtschaften Ballrechtens zu stürmen. Ich werde dann dabeistehen und still genießen, dass ein alter Lebenstraum von mir wahr wird.
Ach ja, spenden dürfen Sie, geneigte Leser hier natürlich auch:

Sparkasse Staufen-Breisach Konto-Nr. 116 49 12 BLZ 680 523 28
Volksbank Staufen eG Konto-Nr. 630 70 BLZ 680 923 00
     
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2 Kommentare »

  1. Foersterliesel schreibt:

    schön! in bergigen Lagen gibt es diese Stützmäuerchen bei uns noch. Aber die Feldraine mit Sträuchern, Gräsern und Käferarten sind bei uns auch durch die Flurbereinigungen verloren gegangen, Fasane und Rebhühner dadurch selten geworden.
    Heute fand ich eine Broschüre über Wildbienen, von der Stadt Wien herausgegeben, auch eine Freude.

    8. Nov. 2009 | #

  2. Alexander Dill schreibt:

    Am Randes Wienerwaldes, so zwischen Perchtholdsdorf und Neuwaldegg, gibt es noch die blühenden Trockenwiesen (Schafgarbe!)) , über die man – sanft betrunken durch die Heurigen, etwa Nigl oder Breitenegger in Perchtholdsdorf – in der warmen Oktobersonne wandelt.

    10. Nov. 2009 | #

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