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31. Aug. 2009

Mariengrenze? Ja, das ist die geographische Linie, die das Gebiet der katholischen Muttergöttin Maria von dem Land des Gekreuzigten, ihres Sohnes trennt. Dies ist theologisch kaum verständlich zu machen. Warum soll hier die Mutter Gottes, dort nur ihr Sohn verehrt werden? Ganz unscheinbar verläuft die Mariengrenze zwischen Ballingen-Dottingen und Sulzburg-Laufen, genau hier:                                                                                       

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Sehnsüchtig blickt Maria von ihrer letzten Kapelle ihres Landes zu ihrer letzten Hauptkirche. Im Sohnesgebiet wird sie bestenfalls kleine Nebenkirchen bewohnen und keine Kultstätten mehr in der freien Landschaft haben.

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Auf der anderen Seite des Rheintales, im elsässischen Gueberschwihr, thront Maria gar golden über dem Stadtplatz:

 

    

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Im Sohnesland dagegen, verlassen von der Mutter der Gnade, vom Heiligen Geist und am Ende sogar vom Dorfpfarrer……

 

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wie hier in Grießheim (oberes Bild), werden ganz andere Götter in der Dorfmitte verehrt, wie hier in Sulzburg-Laufen (unteres  Bild). Sie sehen müde und krank aus, was sie allerdings mit dem Gekreuzigten teilen. Sie sollen mahnen, wobei nicht so klar ist, wozu sie mahnen sollen. Gegen Krieg, für Krieg? Beides ist gleichermassen unsinnig, denn Krieg entstand zu keiner Zeit aus dem Vorsatz, andere zu überfallen, sondern wurde immer als große, humane Mission für Glauben (einst) und Demokratie (jetzt) begründet. Man wüßte aber von keinem Mahnmal gegen Glauben oder Demokratie.

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Am Ende stehe ich in St. Ilgen (Foto oben) als Schiedsrichter zwischen den Parteien. Natürlich möchte ich die liebevolle Mütterlichkeit von Maria auf keinen Fall missen, kann jedoch schlecht am Schicksal ihres Sohnes vorübergehen, wenn ich nicht wie die spätantiken Gnostiker dessen Kreuzigung leugnen möchte. Andererseits muß ich zugeben, daß auf dem Dorfplatz eine goldene Göttin eine vertrauenerweckendere Schutzfunktion einnimmt, als ein abgemagerter Märtyrer. Mutter oder Sohn? Letztlich entscheide ich mich widerwillig für beide unter der Bedingung, daß für den Sohn gelten soll: Du sollst Dir kein Bildnis machen. Es ist einfach besser so auf dem Dorfplatz wie im Wohnzimmer. Außerdem ist er auf Marias Schoß am besten aufgehoben, nicht am Kreuz.

 

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