Der Begriff erregt Mißtrauen und klingt nach Angeberei. Champagnerrisotto. Was hat ein Volksgericht aus der Poebene mit dem französischen Edelgewächs zu tun? Wir reden nicht groß darüber und versuchen uns stattdessen in dieser Disziplin. Mit 1kg Ochsenschwanz vom Münchner Viktualienmarkt und schwer erhältlichem Risottoreis, einer halben Knolle Sellerie und 5 großen Karotten, mit viel frisch gemahlenem Pfeffer in Ermangelung von Safran, Wacholder und Lorbeer. Zwei Schalotten in reichlich Olivenöl anbraten und 400g Reis (für zwei) in der Pfanne darin wälzen. Dann mit der Ochsenschwanzbrühe aufgiessen. Immer dabei bleiben. Am Ende das köstliche Fleisch vom Ochsenschwanz abtrennen und mit den Gemüsen auf dem Risotto servieren:
Was war nun mit dem Champagner? Zunächst wurde mit Taittinger ein wirklich trinkbarer Vertreter dieser Gattung ausgewählt, den es auf dem Viktualienmarkt zu nicht übertriebenen 34 Euro gibt. Nicht trinkbar sind nach meiner unmaßgeblichen Meinung insbesondere: Moet&Chandon, Piper Heidsieck, Paul Roger, Lanson, Veuve Clicquot, Laurent Perrier. Das Risotto wird nun buchstäblich in den letzten 30 Sekunden im vollen Aufkochen mit einem Glas Champagner begossen. Dieser schäumt augenblicklich und gibt tatsächlich – wenn man die Pfanne sofort vom Herd nimmt – einen feinherben, saftig-weinigen Gout.
Wer gerne und of Risotto ißt, weiss, wie groß die Gefahr des zu trockenen und zu wenig saftigen Risottos ist. Manche helfen sich im letzten Moment mit Sahne. Spanier ertränken ihre Paella in Öl. In Milano ist Safran der Bringer. Die Franzosen beherrschen das Entenrisotto. Die Dosage in den letzten Sekunden ist ein sicherer Weg, dem Gericht zum Erfolg zu verhelfen. Dieser Weg kann aber nicht die Brühebasis ersetzen, die herzustellen für Vegetarier ein fast aussichtsloses Unterfangen ist, denn Reis in einer Minestrone zu brühen, macht noch kein Risotto.

Insgesamt ist Risotto erheblich aufwendiger als Pasta. Eine Einladung zum Risotto erfordert mindestens 3 Stunden Vorbereitung und man sollte schon einige Risottos gemacht haben, denn die Fehler lauern an jeder Ecke. Zu kurz. Zu lang. Zu hart. Zu durch. Zu trocken. Zu aufgeschwemmt. Zu wenig gesalzen. Runder Reis, erst recht Vollkornreis, saugt Gewürze und Flüssigkeiten, selbst eine Flasche Wein wie nichts auf. Er ist ein schwarzes Loch.
Mit diesen Grundinformationen sollte man sich nicht scheuen, ein Champagnerrisotto zu wagen.
Über die Vorurteile gegenüber dieser Delikatesse wird man dann nur noch schmunzeln.










