Die elegante Dame (rechts) genießt es, ihren Nachbarn (links) zu beeindrucken. Sie käme, sagt sie, aus Salzburg, wo es einfach am Schönsten sei. Der Herr nickt etwas scheu – oder wagt nur nicht, zu widersprechen.
Nachdem sie aufgezählt, was alles in Salzburg am Schönsten und daher empfehlenswert sei – es seien erwähnt: das Gwandhaus von Gössl, Schloß Aigen, natürlich Tomaselli und Bazar – kommt sie zu ihren überaus erfolgreichen und daher als gelungen zu betrachtenden Kindern. Ihr Sohn sei am Londoner King’s College. Gleich nach dem Studium habe man sich auch von Columbia (New York) und Yale um ihn bemüht, da er ja der Beste war. Er aber lehnte alle ab und nahm in seiner Bescheidenheit nur King’s College.
Der Herr versucht seine Tochter ins Spiel zu bringen. Sie habe immerhin in Weihenstephan Lebensmittelbiologie studiert. Die Dame nimmt es mitleidig zur Kenntnis. Weihenstephan? Wo liegt das denn? Der Herr fühlt sich elend. Die Dame fährt fort: “Nun, wo er die Transplantationsabteilung leitet, mußte er sich natürlich ein Haus kaufen. Und stellen Sie sich vor, er kaufte keins, sonder baute eines!” Dies wurde dann einer im Gang stehen Dame zuviel.
“Die Salzburger”, hob sie an, “sehen gerne auf alle anderen, auch auf Österreicher herab.” Nach diesem gelungenen Entrée, zu dem ihr Gatte (zu meiner Rechten, nicht im Bild) zustimmend von seiner FAZ emporblickte, wandte sie sich an mich: “Sind Sie der Gatte?” Ich blickte betreten zu Boden.
Die neue Dame erwähnte beiläufig, ihre Tochter habe sich längst in ihr Sommeranwesen am Attersee zurückgezogen, was die Salzburgerin dann doch aus dem Konzept brachte.
Darf ich bemerken, dass der Wettstreit zumindest zwischen den Damen doch unentschieden ausging? Der Herr und ich waren nämlich die eigentlichen Verlierer mit unserer erfolglosen Brut in Weihenstephan, Universität Wien und LMU München. Es war sicher klug von mir, gar kein Wort zu sagen. Meine Recherchen ergaben, dass es sich bei der Dame um Barbara, die Gattin des Ordensfürsten Konrad Auzinger handeln könnte, womit Ihr Sohn Dr. Georg Auzinger, seines Zeichens “Consultant Intensivist” in der Lebertransplantationsabteilung des King’s College wäre.










