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23. Okt. 2009

In Deutschland und mehr noch in Österreich gilt es als Schande, wenn ältere Menschen noch arbeiten. Natürlich nicht für Politiker, Schriftsteller und Künstler, die oft erst im hohen Alter gewürdigt werden. Aber an der Theke oder am Schalter möchte man keine Alten sehen. Allerdings gilt es auch unter den Senioren als Schande, für Geld zu arbeiten, wo man doch so viel Anspruch auf den verdienten Ruhestand hat. In Deutschland wird als Seniorenarbeit die Arbeit mit, nicht die von Senioren bezeichnet. Das ist in der Schweiz anders:

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Dieser glückliche Herr wirbt in der Schalterhalle der Basler Hauptpost für handgebaute Vollholzbetten. Ich schätze ihn auf 69. Anders als in allen anderen europäischen Staaten, kann man in der Schweiz sein Rentenalter um fünf Jahre hinausschieben, also bis zum 70. Jahr für Männer.

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Frauen gehen in der Schweiz erst mit 64 in Rente – auch sie können fünf Jahre dranhängen und auf dem Marktplatz Bio-Brot verkaufen:

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Da ich selbst ja auch schon in einem Alter bin, in dem es zumindest in Deutschland unerwünscht ist, als Angestellter zu arbeiten, wenn man nicht schon vorher sein Leben lang Angestellter war – ich dürfte also weder Lehrer, noch Professor, noch Geschäftsführer oder Abteilungsleiter werden, für alles darunter gelte ich als überqualifiziert  - tröstet mich der Gedanke, dereinst in der Schweiz Naturbetten oder Biobrot verkaufen zu dürfen. Da ich ja auch keine Rente bekommen werde, kann ich mich ruhig darauf einstellen, bis 82 arbeiten zu müssen. Das wären noch 32 Jahre. Vielleicht dürfte ich ja sogar Bücher, Herrenkleidung, Wein oder Zigarren verkaufen?

20. Okt. 2009

Jetzt, ein Jahr nach der Finanzkrise, wagt ein Vater mit seiner Tochter den inzwischen vierten Versuch – dreimal ging hier schon ein Café bankrott – dem mit Gastronomie bereits überreich gesegneten Städtchen Sulzburg ein Stadtcafé anzubieten. Es liegt an diesem kalten Oktobertag an diesem Platz:

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Bereits zehn nach Acht sitzen einige Herren dort bei der Zeitung. Einer hat die Süddeutsche ausgebreitet, deren Lektüre aufgrund des Umfangs jenen vorbehalten bleibt, die Erben und Rentiers sind.
Sie bietet täglich mehr Inhalte als Stern und Spiegel zusammen wöchentlich, allerdings leider nie investigative. Eben aus investigativen Gründen lese ich gerne die Badische Zeitung, da diese keine Zensurabteilung hat.

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Heute verzaubert sie mit einer Nachricht aus dem schwarzgrünen Solarstädtchen Freiburg. Dort wird ein interessantes Problem diskutiert, das ich in dieser Form so noch nie gehört habe, nämlich die Frage der Verhütung für ALG-II-EmpfängerInnen. Offensichtlich besteht in der schwarzgrünen Rentnermajorität die Sorge, die Damen könnten zu schlecht verhüten, was wiederum zu teuren Abtreibungen führen würde, die den Staat am Ende daran hinderten, seine Hauptaufgabe, nämlich die Versorgung seiner Pensionäre auszuüben.

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Zum Glück ist Freiburg aber auch eine christliche Stadt, deren christlich-demokratischer Stadtrat Martin Kotterer die rettende Idee hat (siehe Bild oben): Wenn die Stadt Freiburg den ALG-II-EmpfängerInnen die Verhütung bezahlen würde, könnten so pro verhindertem Kind sagenhafte 80 Euro Wohngeld eingespart werden. Dies sei (Zitat) eine “harte, betriebswirtschaftliche Rechnung”, so der fürsorgliche Stadtvater Kotterer. Begeisterter O-Ton Badische Zeitung: “Das Geld für die Verhütung hätte sich schnell amortisiert”.
Solche Perlen fehlen mir in der SZ. Dementsprechend gut unterhalten sitze ich auch am Frühstückstisch:

 

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Zu Kotters scheinbar genialer Einsparidee möchte ich aber anmerken, dass erstens Zwangsverhütung bei erwachsenen Frauen bereits bei christdemokratischen Politikerinnen, etwa bei Frau von der Leyen gescheitert ist, also in der Zielgruppe nicht den erwünschten Erfolg haben könnte. Zweitens leiden die deutschen Steuerkassen bekanntlich nicht unter zu vielen Kindern, für die Wohngeld entrichtet werden müßte, sondern unter der Tatsache, dass die Bundesrepublik Deutschland mit 1,2 eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt hat, was das Schneeballsystem christlich-grüner Pensionäre zumindest langfristig gefährdet. Da bei einer Arbeitslosenquote von etwa 7% im Musterländle doch faktisch 93% arbeiten und Steuern zahlen, würden also auch neun von zehn aus der Brut der ALG-II-Empfängerinnen zu Sklavendiensten für die schwarzgrüne Stadtverwaltung, etwa für 400-Euro-Jobs in der Altenpflege, herangezogen werden können. Dies bringt mehr Einnahmen und billigen Komfort, als mit dem Wohngeld verlorengeht.
Also, liebe christliche  Stadtväter, rechnen Sie doch bitte das Ganze nochmal durch!

16. Okt. 2009

Können fremde Menschen erkennen, dass sie einander ähnlich sind? Ist ihnen das nicht peinlich, wenn der Ähnliche einer anderen Schicht oder Rasse anzugehören scheint? Heikle Fragen. Zunächst ist zu klären, ob tatsächlich eine Ähnlichkeit vorhanden ist. Dazu bietet sich ein Profilphoto des Sitznachbarn an:

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Nun gilt es, durch ein weiteres Profilfoto Klarheit zu schaffen und die Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht vergessen zu machen:

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und zur Endprüfung eine Gegenüberstellung:

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Nun müssen Dritte, etwa andere Fahrgäste zur Ähnlichkeitsbegutachtung herangezogen werden und Prädikate wie Vater-Tochter oder Bruder-Schwester vergeben. Meine Ähnlichkeitsnachbarin und auch ihr Vater stammen aus dem etwas unpräzise als Stuttgart-Süd bezeichneten Gebiet, während ich großmütterlicherseits, von wo eben dieses Profil nachweislich stammt, aus Crailsheim herrühre, was dann doch nicht unerreichbar fern ist, zumal meine Großmutter dort 1899 geboren wurde, so dass dies weit vor einer Verzweigung nach Stuttgart-Süd hätte eine verwandschaftliche Beziehung sein können. So aber bleibt es eine Wahlverwandtschaft.

 

 

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