In Deutschland und mehr noch in Österreich gilt es als Schande, wenn ältere Menschen noch arbeiten. Natürlich nicht für Politiker, Schriftsteller und Künstler, die oft erst im hohen Alter gewürdigt werden. Aber an der Theke oder am Schalter möchte man keine Alten sehen. Allerdings gilt es auch unter den Senioren als Schande, für Geld zu arbeiten, wo man doch so viel Anspruch auf den verdienten Ruhestand hat. In Deutschland wird als Seniorenarbeit die Arbeit mit, nicht die von Senioren bezeichnet. Das ist in der Schweiz anders:
Dieser glückliche Herr wirbt in der Schalterhalle der Basler Hauptpost für handgebaute Vollholzbetten. Ich schätze ihn auf 69. Anders als in allen anderen europäischen Staaten, kann man in der Schweiz sein Rentenalter um fünf Jahre hinausschieben, also bis zum 70. Jahr für Männer.
Frauen gehen in der Schweiz erst mit 64 in Rente – auch sie können fünf Jahre dranhängen und auf dem Marktplatz Bio-Brot verkaufen:
Da ich selbst ja auch schon in einem Alter bin, in dem es zumindest in Deutschland unerwünscht ist, als Angestellter zu arbeiten, wenn man nicht schon vorher sein Leben lang Angestellter war – ich dürfte also weder Lehrer, noch Professor, noch Geschäftsführer oder Abteilungsleiter werden, für alles darunter gelte ich als überqualifiziert - tröstet mich der Gedanke, dereinst in der Schweiz Naturbetten oder Biobrot verkaufen zu dürfen. Da ich ja auch keine Rente bekommen werde, kann ich mich ruhig darauf einstellen, bis 82 arbeiten zu müssen. Das wären noch 32 Jahre. Vielleicht dürfte ich ja sogar Bücher, Herrenkleidung, Wein oder Zigarren verkaufen?












