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31. Okt. 2009

Die echte Landgaststätte war nicht erst jetzt, sondern schon immer eine Rarität. Einst drohten Toast Hawaii und Wiener Würstchen. Heute besteht die Gefahr von Zanderfilet und Mozarellasalat.
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Was die echte Landgaststätte bereithält, ist echtes, lokales Bier. In diesem Fall das legendäre Waldhaus vom Fass, das bereits aus der Flasche viele Biere übertrifft, so hopfig-herb und dennoch vollmundig kommt es daher.
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Der Wirt und sein Stammgast bevorzugen Orangensaft und einen ortsansässigen Gutedel und sind neugierig auf ihren, heute leider einzigen Gast.
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Dieser betätigt sich als Bier-Dalai, versinkt im Angesicht der festen Crema in Trance…
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…und wie so eine Trance verläuft, überkommt ihn der Appetit. Zum Glück gibt es das Ur-Gericht der Landgaststätte: eine Schlachteplatte mit Kartoffelmus und Sauerkraut. Beinfleisch. Blutwurst. Leberwurst.
(Vegetarier hier bitte weglesen) Diese Dinge sind mit Bier so verbunden wie Wein mit Brot und Käse: Bier macht hungrig auf Schlachteplatte, Schlachteplatte macht durstig auf Bier. Und hier ist sie:

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Das Beinfleisch ist zart und wird mit der Meerrettichsauce gereicht. Damit ist alles gesagt.

28. Okt. 2009

Der kleine Park ist immer leer. Trotzdem pflegt ihn die Stadt. In ihm wird nicht randaliert. Am kühlen Herbstmorgen, nach dem ersten Nachtfrost, liegt er verwunschen zwischen den Mauern des Städtchens am Rande des Schwarzwaldes. Wir möchten sagen: Ein Bild aus einer anderen Zeit. Aber zu dieser Zeit war weder dieser, noch waren andere Parks öffentlich zugänglich. Sie waren Privatparks.

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Baumriesen konnten sich so über Jahrhunderte entwickeln. Keine kriegsbedingte Brennholznot vermochte es, sie zu schleifen.

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Kleine Schreine weisen darauf hin, dass dieser Park nun dem Volke gehört:

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Der Spaziergänger hat sich warm verpackt, als er den kleinen Umweg über den Park wählte. Für einen Moment lehnt er sich an einen der Baumriesen, riecht den feuchten Tau und blickt in die Nebelschwaden, die vom Schwarzwald her heruntertreiben und sich dort im warmen Rheintal auflösen.

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In diesem Moment fühlt man, dass einem diese Welt gehört, dass sie zum Geschenk gemacht wurde.

25. Okt. 2009

Die unerträglich sperrig komponierte und grauenhaft schlecht librettierte Oper Salome des Modernisten Richard Strauss gilt der Badischen Zeitung zu Unrecht als Opernschocker. Ich ging einfach nur spazieren und hatte am Abend des 24. Oktobers flugs eine Karte auf Platz 21 in der Reihe 1 in der Hand – direkt am Orchestergraben, wo mein Blick zum Glück nicht auf die schäbige Baumarkt-Dekoration der Bühne, sondern auf die Harfinistin fiel. Das Freiburger Theater ist durchaus beeindruckend:

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Das Motto des Freiburger Stadttheaters, das man in Grossbuchstaben auf dem Festgebäude entziffern kann, lautet We cannot not change the world. Das klingt nach Weltrettern wie Al Gore, den Dalai oder Bill Gates. Allerdings bestand die Gefahr der vergessenen Weltrettung bei der ausverkauften Aufführung nicht: Ehrwürdige Professorenpaare fachsimpelten über Strauss, elegante, schlanke Musen mit blassen Gesichtern blickten bedeutungsvoll zu Jünglingen, unter denen einer wirklich in jeder Hinsicht herausragte. Dieser:

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Sein braunes Samtgewand endete in braunen Wildlederschuhen. Er war der Maestro dieses Abends. Und doch auch ein eher schüchterner Jüngling, der sich mir rührend als französischer Klavierschüler offenbarte, der mit seinem Strassbourger Musikgymnasium den furchtbaren Strauss bildungshalber ertragen musste. Ich gab meiner Hoffnung Ausdruck, er spiele auch Jazz, was er zum Glück auch bejahte.

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Er erinnerte mich daran, wie ich selbst im gleichen Alter so auftrat: als Prinz, dem die Welt gehört. Ich ließ mich von ihm verzaubern und nahm ihn als Beweis dafür, dass Freiburg doch sehr mondän sein kann. Um diesen Frieden nicht zu stören, harrte ich tapfer auf meinem Platz aus und gab auch fleißig zwei Vorhänge. Ich spürte: Den Freiburgern bedeutete dieser Abend etwas. Nicht wegen Strauss, sondern wegen ihnen selbst. Es war ihr mondänes Theater. Und ich werde es ihnen lassen.
Später auf der Strasse dann, es hatte noch an die 20 Grad, beobachtete ich, wie die Studenten alle Schnapsflaschen auf den Tischen stehen hatten; eine Sitte, die ich noch nie gesehen hatte. Friedlich ließen sie sich zulaufen, um dann nächste Woche wieder brav BWL, Jus und Pädagogik zu studieren.

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Ich hatte Freiburg unterschätzt,

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