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11. Sep. 2009

Ich arbeite beruflich daran, inmitten des Abwesenden und Fehlenden das Anwesende ausfindig zu machen. In armen Ländern und Regionen vorzugsweise. Mit dieser Arbeit trete ich am 30. September 2009 auf dem World Commons Forum auf. Was aber, wenn es darum geht, dies auch im eigenen Lebensumfeld zu praktizieren? Bleibe ich dann doch lieber der anspruchsvolle Nörgler? 23082009161

Das Gasthaus Müller hat die Modernisierungswellen der letzten 25 Jahre einfach ausgesessen. Den Kenner erschreckt die Fassade nicht. Der Menschenfreund vermutet stets das Positive. Der Optimist rechnet mit Überraschungen. Alle drei einigen sich darauf, dieses Gasthaus aufzusuchen.

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Selten transportieren die Bilder so viel von der Stimmung und Temperatur. Sie sind wie Sommer von Cezanne impressionistisch; erstaunlich, mit so einer Handykamera, die einen quasi zu einem Taucher macht.

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Herr Müller selbst sitzt mit Kochmütze in der Stube, die mich an die alten Transitgaststätten in der DDR erinnert. Auch
das Essen ist so…

23082009158Es stammt aus einer Zeit, wo die Älteren sich noch an die Hungerjahre 1945-1949 erinnern konnten und deshalb eine große Ehrfurcht gegenüber üppigen Gerichten hegten. Auch lag in Begriffen wie “Hendl”, “Ochsenfleisch”, “Schnitzel” noch eine Außerordentlichkeit. Es handelte sich um seltene und wertvolle Zutaten. Einst. Die Zubereitung war völlig sekundär. Sauce. Beilage. Ältere essen das auch noch heute klaglos. Ich nicht. Aber ich möchte Herrn Müller nicht weh tun und entdecke, wie sensationell gut sein Bier ist: Ein seltenes Honer Pils. Auf jeden Fall besser als die allgegenwärtigen Ganter und Fürstenberg, auf Augenhöhe mit einem Waldhof. Ich habe das Gute gefunden und künde nun davon – was mehr darf ich mir erhoffen?
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Übrigens war das Bier in den Transitraststätten hervorragend.

9. Sep. 2009

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Vieles, das Meiste, was zwischen Mann und Frau stattfindet, geschieht ohne Worte. Aber mehr als das: Es hausen auch keine nicht gesagten, unausgesprochenen Worte, keine sogenannten Gedanken im Hintergrund. Alles geschieht im reinsten und ursprünglichsten Unbewußten, in der Gruppenseele. Eine Gesprächstherapie für Paare muß deshalb zu einem Theaterstück geraten, das sich aus Worten speist, denen man magische Bedeutung zumißt; Worte, die sich aber Mann und Frau nie sagen. Ich verstehe Dich zum Beispiel. Die Familienaufstellung wünscht sich gerne den Satz Ich verzeihe Dir, den sie aus der christlichen Religion übernommen hat. Die Industrie begnügt sich mit dem bekannten Ich liebe Dich. Die Literatur baut auf das Gegenteil: Ich habe Dich schon gehasst, bevor wir uns kannten. Ein starker Satz, der fast schon an Wahrheit grenzt.
Aber Fotos sagen einfach mehr. Ich bedanke mich bei meinen Darstellern für diese kleine Fotostory.

7. Sep. 2009

Ich kenne außer Sulzburg nur noch ein deutsches Städtchen, das man auch nur durch das Stadttor erreichen kann: Tittmoning in Südostbayern. Für weitere Hinweise bin ich aber dankbar. Für den Wahlkampf ist ein Stadttor äußerst praktisch, wie wir im Folgenden sehen werden. Zunächst bietet es auf ganz natürliche Art die Gelegenheit, die zwei Kandidaten für den Bundestag zu präsentieren:

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Links unten die SPD-Kandidatin, rechts unten der CDU-Kandidat. Zugegeben, wir sollten hier etwas näher herangehen, um auch die doch sehr komplexen Wahlbotschaften zu Afghanistan, Arbeitslosigkeit, Steuern, Finanzkrise, Zweiklassenmedizin und Bildungsnotstand besser zu verstehen.

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“Jana Zirra” ist vermutlich der Name der Kandidatin. Die rote Farbe weist darauf hin, dass sie eine Rote, also von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist. Da diese als links gilt, steht ihr Plakat auch links am Stadttor. Dementsprechend positioniert sich ihr Konkurrent Armin Schuster rechts. Damit man ihn als Schwarzen erkennt, trägt er einen dunklen Anzug.

 

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Diese Form der Wahl wird in der Bundesrepublik Deutschland seit 1948, also seit 61 Jahren praktiziert. Seitdem regieren immer und ausnahmslos Rot und Schwarz. Zwar behauptet die Bundeszentrale für politische Bildung, die heuer gar einen Wahlomat anbietet, dass es auch 24 andere Parteien gibt, aber dies ändert nichts an der Regierung, denn bis auf die NPD sind alle Parteien nur gegründet worden, um mit Rot und Schwarz zu koalieren. Die verblüffende Einfachheit dieser Wahl wird noch größer, wenn man weiß, dass die beiden “Parteien” auch noch eine gemeinsame Regierung bilden, also im Grunde eine Partei sind. Für den Wähler 2009 hat das den großen Vorteil, dass er nie falsch wählen kann: In jedem Fall wird “seine” Partei regieren. Wer wird aus diesem spannenden und brutalen Wahlkampf als Sieger hervorgehen? Noch wissen wir es nicht. Nur die Regierung weiß es schon und wird es uns am Wahlabend um 18 Uhr mitteilen.

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Diesen stylischen Erstwähler konnte ich nach seiner Wahlpräferenz fragen. Er sagte, er sei noch nicht sicher, ob er überhaupt zur Wahl ginge, würde aber wenn doch die Grünen wählen. Ich versuchte ihm zu erklären, dass dies am Stadttor nicht vorgesehen sei, aber er beharrte darauf. Ich versuchte weiter, ihm den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme klarzumachen. Seine Erststimme für die Grünen hilft, damit einer der beiden Kandidaten von Rot-Schwarz gewinnt, wohingegen er mit seiner Zweitstimme für eine Schwarz-Rot-Koalition sorgen kann. Er schien von meinem Vorschlag nicht so angetan zu sein und stellte schließlich fest: “Dann wähle ich doch nicht.” Diese vernünftige Einsicht haben aber bisher erst 30% der Wähler. Ob es am 27. September mehr werden?

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