Ich arbeite beruflich daran, inmitten des Abwesenden und Fehlenden das Anwesende ausfindig zu machen. In armen Ländern und Regionen vorzugsweise. Mit dieser Arbeit trete ich am 30. September 2009 auf dem World Commons Forum auf. Was aber, wenn es darum geht, dies auch im eigenen Lebensumfeld zu praktizieren? Bleibe ich dann doch lieber der anspruchsvolle Nörgler? 
Das Gasthaus Müller hat die Modernisierungswellen der letzten 25 Jahre einfach ausgesessen. Den Kenner erschreckt die Fassade nicht. Der Menschenfreund vermutet stets das Positive. Der Optimist rechnet mit Überraschungen. Alle drei einigen sich darauf, dieses Gasthaus aufzusuchen.
Selten transportieren die Bilder so viel von der Stimmung und Temperatur. Sie sind wie Sommer von Cezanne impressionistisch; erstaunlich, mit so einer Handykamera, die einen quasi zu einem Taucher macht.
Herr Müller selbst sitzt mit Kochmütze in der Stube, die mich an die alten Transitgaststätten in der DDR erinnert. Auch
das Essen ist so…
Es stammt aus einer Zeit, wo die Älteren sich noch an die Hungerjahre 1945-1949 erinnern konnten und deshalb eine große Ehrfurcht gegenüber üppigen Gerichten hegten. Auch lag in Begriffen wie “Hendl”, “Ochsenfleisch”, “Schnitzel” noch eine Außerordentlichkeit. Es handelte sich um seltene und wertvolle Zutaten. Einst. Die Zubereitung war völlig sekundär. Sauce. Beilage. Ältere essen das auch noch heute klaglos. Ich nicht. Aber ich möchte Herrn Müller nicht weh tun und entdecke, wie sensationell gut sein Bier ist: Ein seltenes Honer Pils. Auf jeden Fall besser als die allgegenwärtigen Ganter und Fürstenberg, auf Augenhöhe mit einem Waldhof. Ich habe das Gute gefunden und künde nun davon – was mehr darf ich mir erhoffen?

Übrigens war das Bier in den Transitraststätten hervorragend.









