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17. Sep. 2009

Darüber liest man nichts. Nirgendwo. Hungrige Männer um 17.55, die nach der Arbeit verzweifelt nach Essen suchen. Das Mittagessen ist schon zu lange vorbei. Das ungewisse Abendessen bei einer Frau, die vielleicht ein paar Salatblätter wäscht, liegt in ferner Zukunft. Hier kommt die Stunde der Würstchenbuden und der kleinen Bierbars sowie der früh, nämlich eben deshalb um 17 Uhr öffnenden Landgasthöfe. Deren Wirtinnen wissen, was Mann und vor allem wann er es braucht und leuchten ihm bei der frühabendlichen Radtour ein heimeliges Licht:

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Der Mann weiß es zu deuten und fliegt wie eine Motte hinein. Er übergeht alle Gerichte, die irgendwie mit Salat oder gar Gemüse drohen und kommt gleich zur Sache. Ein knuspriges, halbes Knoblauchhendl aus der nahegelegenen Klosterzucht, also katholisch gemästet, macht sich anheischig, dem Mann I made your day zuzurufen; ein Ruf, dem zu widerstehen ihm seine Natur verbietet.

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Doch trotz dieses elementaren und gewaltigen Vorganges, ein ganzes Tier zu schlachten, um Mann den Feierabend zum Feste gereichen zu lassen, kommt das Gesamtensemble filigran und gepflegt hinüber, abhold jeden Fettfleckes:

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Der 2008er Gutedel brilliert mit unglaublichen 0 Prozent Restzucker. Er ist selbstverständlich von Schmid selbst. Obwohl das Sprechen über Wein auch hier im Blog Gefahren birgt, darf doch festgestellt werden, dass auch im Markgräfler Land ein paar wirklich trockende und durchgegorene Tischweine gemacht werden. Zum Beispiel auch der 2007er Nobling von Brugger, nebenbei mit Bio-Zertifikat. Die Endrechnung von 13,50.- nimmt selbst auf den Regelfall Unterhaltsflicht Rücksicht, so dass Mann sich mit gutem Gewissen auf den Heimweg machen kann:

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Es ist 19.34.

15. Sep. 2009

Während gerade auf Spiegel-Online ein Hintergrundbericht von mir über mein Spezialgebiet, die deutsche Beteiligung an der sogenannten Weltfinanzkrise erscheint, beschäftige ich mich mit der allgemeinen Eselkrise, welche dazu geführt hat, dass in Deutschland niemand mehr seinen Esel spazieren führt – außer eben, wenn ich gerade vorbeikomme:

 

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Sowohl der Esel, wie sein Besitzer möchten nicht Portrait stehen, so dass es bei dieser Momentaufnahme bleibt. Ich behaupte: Niemand hat je in Deutschland einen Mann mit einem Esel auf der Strasse spazieren gehen sehen. Seine Philosophie teilte mir der Eselsführer auch mit: Einfach nur Geduld haben. Nun, ich habe doch 50 Jahre auf diese Begegnung gewartet.

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Auch diesem Wesen ist eine gewisse Unschärfe anzumerken. Es stammt, nach eigener, von mir anhand des Nummernschildes verifizierter Angabe, aus dem Märkischen Oderland und sammelt Walnüsse, die die Markgräfler in einem derartigen Überfluss haben – wie übrigens auch Brombeeren, Äpfel, Birnen, Zwetschgen und leider auch Wein – dass sie sie nicht mehr auflesen.
Wo aber widerfuhr mir beides?

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Auf einem uralten Medium, das auch als Weg bekannt ist. Es gibt noch Wege, aber sie sind so selten, dass man nicht sagen mag wo. Nur dort trifft man noch auf die Eselgeher und Walnusssammler, weil sie dort geschützt sind vor Limousinen und Mountainbikes, vor Nordic Walking Ladies und verbiesterten Joggern.
Auch ein anderes Medium hat sich an diesem Morgen auf dem Weg eingefunden:

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Die Brücke. Zu ihren Füssen fliehen Kaulquappen ins sichere Nass. Habicht und Bussard liessen sich durch das gräßliche Monster vertreiben. Der Feldhase bleibt gleich im sicheren Rain. Stolz nimmt der Eindringling die ganzen Medien, Brücke und Weg, in seinen Besitz:

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Damit sollten alle Zweifel am Besitzer dieser Welt ausgeräumt sein, oder? Denn es gibt keinen Unterschied zwischen besitzen und besetzen.

13. Sep. 2009

11092009329“Der Marktwert”, sagt der Kleinstadtgalerist, “interessiert mich überhaupt nicht.” Das ist glaubwürdig, aber für die ausstellenden Künstler nicht so günstig.
Die Kleinstadtgalerie ist eine Institution. Immer verkannt. Unterschätzt. Kontinuierlich bemüht. Avantgarde. Innovation. Tradition.
Die Vernissage ist zwischen 18 und 19 Uhr angesetzt. Die Galerie liegt in der Fußgängerzone, wenige Meter von der Kirche. Was die Vernissage in der Kleinstadt von der in der Großstadt unterscheidet? Es kommen keine jungen Künstler oder Musen auf der Suche nach Künstlern. Man befindet sich im fortgeschrittenen Alter – wie leider auch der Autor von sich selbst feststellen muss.

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Es wird etwas Wein mit dem Etikett der Galerie angeboten. Die Menschen in der Gegend sind stolz auf ihren Wein. Es sollte besser nichts zum hiesigen Wein gesagt werden. Das könnte verletzend wirken.

 

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Dies ist das teuerste Werk. Es kostet 6500 Euro. Schon als Kinder in den 60er Jahren mussten wir diese rostigen Eisenklötze bewundern, deren Statik, Leichtigkeit oder Schwere, Elementarität oder schlicht deren Unmittelbarkeit uns nahegelegt wurden. Es gibt sie immer noch – und mit ihnen die eigentlichen Künstler, die im Zivilberuf (wie der Galerist)  Vermessungsingenieur, Lehrer oder verheiratet mit einer Lehrerin sind. Nun sitzen sie vor der Galerie…

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Es ist beruhigend, ihnen zuzusehen. So Vieles in Deutschland ist vergangen und zerstört. Doch ausgerechnet die Kleinstadtkultur mit ihren Vernissagen, die VHS, der Gesangsverein, der längst Popsongs im Programm hat, die Freiwillige Feuerwehr, der Faschingsverein und der Kirchengemeinderat, diese Kultur ist geblieben. Wer möchte da mit Unworten wie Kunst und Markt Unruhe stiften? Der Galerist fragte mich ausdrücklich, wie ich die Ausstellung fand und ich beschloß, eisern zu schweigen, um nicht lügen zu müssen. Zu dieser Entscheidung stehe ich.

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Eigentlich bin ich doch auch ein Teil davon, oder?

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